Zum Inhalt springen
Open Innovation Toolbox

Fair Open Innovation

Der Nutzen einer offenen Innovationskultur

Stellen Sie sich vor, welche neuen Möglichkeiten sich für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte eröffnen, wenn Sie Menschen unabhängig von deren Herkunft als Ideengeber, Konzeptentwickler oder auch Umsetzer in die Gestaltung Ihrer Innovationen einbinden können!

Damit können sie zusätzliche Ressourcen mobilisieren, neues Wissen in die Organisation holen, Kooperationspartner oder sogar zukünftige Mitarbeiter entdecken und Netzwerke aufbauen.

Grafik neue Märkte erschließen
Open Innovation – Unternehmensgrenzen werden durchlässig (onscreen)

Open Innovation ist durch die Öffnung der Unternehmensgrenzen definiert. Diese Öffnung bietet Unternehmen die Chance auf Zufluss von Know-how oder aber auch die Schaffung von bisher nicht berücksichtigten Verwertungsmöglichkeiten außerhalb des Unternehmens.

Eigene Entwicklungen stärken

Bei Outside-In Innovationen öffnet sich das Unternehmen gegenüber externen Innovatoren oder Interessengruppen, um Marktinformationen, Ideen, Lösungen, Technologien oder Feedback zu erhalten. Die Integration von externem Wissen erweitert den Denkhorizont bei der interdisziplinären Entwicklung neuer Lösungen. Der erweiterte Zugang zu externen Ressourcen eröffnet zudem die Möglichkeit, das Innovationsrisiko zu senken.

Durch das Einbeziehen von Kunden werden Benutzererfahrungen und Bedürfnisse direkt vom Markt gesammelt. Damit können die Ausrichtung und die Entwicklung einer Lösung sehr nahe am Markt erfolgen und die Erfolgschancen steigen.

Digitalen Crowdsourcing Plattformen vernetzen interessierte Nutzerkreise und bisher brachliegendes Wissen, Expertise und Kompetenzen werden sichtbar.

Im Idealfall lassen sich daraus sogar Personalrekrutierungsmaßnahmen ableiten.

Open Innovation hilft das Marketing und die Sichtbarkeit von Innovationsinitiativen positiv zu beeinflussen, indem z.B. neue Projekte unterschiedlichen Stakeholdern vorgestellt werden.

Neue Chancen für eigene Entwicklungen

Bei Inside-Out Open Innovationen versucht das Unternehmen, vorhandenes internes Wissen mit dem externen Umfeld zu teilen, und damit können neue externe Absatzmöglichkeiten zur Verwertung eigener Technologien gefunden werden bzw. Technologien auch außerhalb des bisherigen Geschäftsmodells verwertet werden. Dies kann zur Etablierung von Spin-offs oder zu Auslizenzierungen führen.

Inside-Out Open Innovationen können das Wachstum ganzer Märkte ankurbeln, was jedem Marktteilnehmer in dem jeweiligen Bereich zugutekommt.

Innovationskultur

Die Innovationstätigkeit im Unternehmen ist in hohem Maße von einer innovationsfördernden Kultur bestimmt. Geprägt wird diese Kultur vor allem durch Führungskräfte, die durch das Vorleben von Werten und die Disposition von Ressourcen viel zur Entwicklung einer Innovationskultur beitragen können. Durch die Aktivierung interner und externer Ressourcen können Führungskräfte die Integrationsleistung des Unternehmens verstärken und eine schnelle Überführung von Innovationen in marktfähige Produkte forcieren. Eine moderne Unternehmenskultur erlaubt Experimente und auch Misserfolge, kann mit Ungewissheit und Fehlern umgehen und sorgt zielgerichtet dafür, das externe Wissen gewinnbringend zu nutzen.

Eine entscheidende Rolle hierbei spielt der Umgang mit dem eigenen geistigen Eigentum als auch dem der Innovationspartner. Dies muss klar definiert und für alle transparent gemacht werden.

Für den Einstieg in das Thema Open Innovation sollte daher am Beginn die Frage stehen, inwiefern eine Öffnung des Innovationsprozesses und die Einbeziehung externer Partner auch zum gelebten Umgang mit Wissen passt und welche Maßnahmen erforderlich sind.

Ist unser Unternehmen bereit für Open Innovation?

Open Innovation beginnt mit der richtigen Einstellung - der Erfolg hängt von den richtigen Fähigkeiten und Werkzeugen ab.

  • Erlauben das Geschäftsmodell und die rechtlichen Rahmenbedingungen eine Öffnung des Unternehmens?
  • Verfügt das Unternehmen über eine passende Kultur und einen partnerschaftlichen Ansatz?
  • Passen die unternehmensinternen Richtlinien und Prozesse?
  • Können die Mitarbeiter und die Unternehmensressourcen Open-Innovation-Aktivitäten unterstützen?
  • Können alle Partner vom Erfolg profitieren?

Solche Fragestellungen helfen zu entscheiden, ob Open Innovation-Methoden für das Unternehmen erfolgversprechende Ansätze bieten können und in welchem Bereich Anpassungsbedarf besteht.

Grafik Ökosystem
Das Open Innovation Ökosystem (onscreen)

In einem funktionierenden Open-Innovation-Ökosystem kann eine Vielzahl unterschiedlichster externer Partner zum Innovationsprozess beitragen:

  • Forschungseinrichtungen, wie z.B. Universitäten
  • Kunden
  • Lieferanten
  • Einzelpersonen und ehemalige Mitarbeiter
  • Mitbewerber
  • KMU aus unterschiedlichsten Industriefeldern
  • Start-ups

Alle diese Partner können durch ihre Mitarbeit bei der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte oder Dienstleistungen wertvolle Beiträge leisten.

Besonders zu Beginn einer Neuorientierung des Unternehmens hin zu offenen Innovationsprozessen bieten einschlägige Serviceleister und Plattformbetreiber die notwendige Hilfestellung.

Grafik Elemente von Fairness
Fairnessaspekte von Open Innovation
(Quelle: Faullant, Füller, Hutter, Gebauer, 2011; angepasst)

Eine erfolgreiche und nachhaltige Einbeziehung externer Innovatoren bedarf fairer und transparenter Rahmenbedingungen und einer angemessenen Anerkennung des Beitrages zum erzielten Wettbewerbsvorteil.

Bei einer offenen Innovationszusammenarbeit besteht die Gefahr, dass Akteure das Gefühl bekommen, ihr Beitrag sei nicht entsprechend gesehen und anerkannt. Es ist daher wichtig zu verstehen, dass offene Innovation kein Weg ist, etwas zu bekommen, ohne etwas zu geben.

Eine der zentralen Möglichkeiten der Motivation und Unternehmensbindung ist es, alle Beiträge anhand von “fairen Vergütungen” zu honorieren („Verteilungsfairness“). Die Wahrnehmung von Fairness wird jedoch darüber hinaus ganz wesentlich davon bestimmt, wie transparent und konsistent die Prozesse (z.B. Auswahlprozesse) gestaltet sind („Verfahrensfairness“) und dass die Interaktion mit der Community rasch, authentisch und wertschätzend erfolgt („Interaktionsfairness“).

Die Verteilungsfairness ist durch das Prinzip der Gerechtigkeit definiert, bei dem eine Person für sich selbst das Verhältnis ihres Inputs zum erhaltenen Output als fair ansieht.

Je nach Art der Herausforderungen der Innovationsinitiative sollten definierte Vergütungen wie z.B. Geldpreise, Sachpreise, Praktika, Präsentation des Namens des Gewinners oder Einladung zur Weiterentwicklung der Idee oder als Teil der Organisation angeboten werden. Die Vergabe von nur kleinen Geldpreisen für z.B. bahnbrechende Innovationen ist sicherlich nicht ausreichend.

Auch Sichtbarkeit in der Community wird als eine Art der Anerkennung für die Bemühungen der Nutzer angesehen und fördert die Attraktivität des Projektes. Je nach Zielgruppe empfinden manche Akteure eine karrierebezogene Belohnung als lohnender und motivierender als bloße Geldpreise.

Neben der Belohnung als solche ist der Prozess der Vergabe - die Verfahrensgerechtigkeit - eine weitere wichtige Determinante für wahrgenommene Fairness.

Die Verfahrensfairness ist die wahrgenommene Gerechtigkeit der Verfahren, der Richtlinien und Kriterien, die von den Entscheidungsträgern beim Erreichen des Ergebnisses verwendet werden. Wichtig sind dabei die Aspekte:

(1) Konsistenz - Auswahlverfahren sollten übergreifend kohärent sein,

(2) Vorurteilsfreiheit - das persönliche Eigeninteresse der Entscheidungsträger sollte keine Rolle spielen,

(3) Genauigkeit - die Güte der im Auswahlprozess verwendeten Informationen und Kriterien,

(4) Korrektur - die Möglichkeit, unfaire Entscheidungen anzupassen,

(5) Repräsentation - Bedürfnisse, Werte und Perspektiven aller vom Auswahlprozess betroffenen Parteien sollten im Prozess vertreten sein,

(6) Ethik – die Auswahl muss mit grundlegenden moralischen und ethischen Werten des Betrachters vereinbar sein.

Interaktionsgerechtigkeit bezieht sich auf die menschliche Seite, die Art und Weise, wie Kommunikation zwischen der Quelle und dem Empfänger von Gerechtigkeit stattfindet und hängt von zwischenmenschlichen Verhaltenselementen wie Höflichkeit, Ehrlichkeit und Respekt ab. Diese Art der Gerechtigkeit wird gefördert, wenn Entscheidungsträger den Einzelnen mit Respekt und Sensibilität behandeln und die Gründe für ihre Entscheidungen gründlich erläutern.

[Grafik und Zitatübersetzungen aus Faullant, Füller, Hutter, Gebauer, 2011; angepasst]

 

Was ist Open Innovation?

 

Open Innovation Readyness

 

Fairness in Open Innovation

  • de Beer, J., McCarthy, I., Soliman, A., Treen, E. (2017): “Click here to agree: Managing intellectual property when crowdsourcing solutions”, Business Horizons, Volume 60, Issue 2, March–April 2017, Pages 207-217
  • Faullant, R., Füller, J., Hutter, K., Gebauer, J. (2011): “Fair Play: Perceived fairness in idea and design contest communities and its behavioral consequences” Paper presented at 18th International Product Development Management Conference
  • Faullant, R., Fueller, J., Hutter, K. (2017): “Fair play: Perceived fairness in crowdsourcing competitions and the customer relationship-related consequences”, Management Decision, Vol. 55 Issue: 9, pp.1924-1941, Online: https://doi.org/10.1108/MD-02-2017-0116
  • Franke, N., Keinz, P., Klausberger, K. (2013) “Does This Sound Like a Fair Deal?”: Antecedents and Consequences of Fairness Expectations in the Individual’s Decision to Participate in Firm Innovation, Organization Science 24(5), pp. 1495–1516
  • Fair Crowd Work - Gewerkschaftliche Informationen und Austausch zu Crowd-, App- und plattformbasiertem Arbeiten“, Online: http://faircrowd.work/de/
Zum Seitenanfang